GELD IST UNWICHTIG *
Es sei denn,
man möchte den Klimaschutz
finanzieren.
Klimaschutz ist die zentrale Herausforderung der kommenden Jahrzehnte – politisch, gesellschaftlich, sozial und vor allem auch ökonomisch. Banken werden zu Treibern des Wandels zu einer grüneren Wirtschaft.
Klimaschutz geht nur mit den Banken
Klimaschutz geht nur mit den Banken
Deutschland will 2045 klimaneutral sein. Die Finanzierung dieses Kraftakts geht nur mit Banken.
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Klimaschutz ist die zentrale Herausforderung der kommenden Jahrzehnte – politisch, gesellschaftlich, sozial und vor allem auch ökonomisch. Um die Erderwärmung in den Griff zu bekommen und klimaneutrales Wirtschaften zu erreichen, müssen unterschiedlichste Maßnahmen auf allen Ebenen umgesetzt werden, im regionalen genauso wie im globalen Maßstab.

 

Europa ist besonders gefordert, denn es steht allein für 12 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Europa ist aber aufgrund seiner Wirtschaftskraft auch Vorbild in der Welt. Die Europäische Union hat reagiert und will Vorreiter beim Klimaschutz sein. Bis 2030 will sie mit dem sogenannten EU Green Deal Investitionen in Höhe von einer Billion Euro mobilisieren. Wenn Europa die Klimaschutzziele rechtzeitig erreichen will, steht ein Finanzierungsbedarf von über zwei Billionen Euro im Raum – also 2.000.000.000.000 Euro bis 2045.

 

In Europa ist der überwiegende Teil der Wirtschaft über Kredite finanziert – die Banken haben hier einen zentralen Hebel in der Hand – verbunden mit einer großen Verantwortung. Mehr Klimaschutz geht deshalb nur mit den Banken! Und das Megathema „Klimaschutz“ wirkt auch in die Banken hinein – aus Klimaschutz wird ein Geschäftsmodell, mit dem die Institute aktiv die Veränderungen gestalten. Banken werden somit zu Treibern der Transformation, die unsere ganze Wirtschaft umfasst.

 

Sie sorgen dafür, dass sich Unternehmen so aufstellen, dass sie für die Zukunft gerüstet sind. Wer sich heute nicht den Herausforderungen des Klimawandels stellt, hat keine Zukunft. Das verstehen immer mehr Unternehmen, das haben aber vor allem auch Banken und Investoren verstanden.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Bankengeschäft sind massiv. Die Institute wollen sich dem stellen.
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Im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens, den Zielen der Europäischen Union, die Emissionen zu mindern, sowie dem deutschen Klimaschutzgesetz richten die Banken ihre Geschäftsmodelle neu aus. Gemessen an der Bilanzsumme haben sich schon über drei Viertel unserer Mitgliedsinstitute (78 Prozent) verpflichtet, diese Ziele aktiv zu verfolgen. Mehr als 40 Prozent haben bereits die „Principles for Responsible Banking“ (PRB) der Vereinten Nationen unterzeichnet, auch bei den „Principles für Responsible Investment“ (UN PRI) sind die privaten Banken dabei. Und seit Ende Juni 2021 ist auch der Bankenverband offizieller Unterstützer der PRB.

 

Viele Banken sind also mittendrin in der Neuausrichtung. Die Institute haben klare Vorgaben, in welchen Branchen sie im Einklang mit den Pariser Klimazielen wachsen wollen und wo das Engagement zurückgefahren werden muss. Treiber dieser Entwicklung sind nicht nur die eigenen Standards, sondern auch die Klimapolitik für CO2-intensive Branchen, die Erwartungen der Investoren und die Risiken aus dem Klimawandel.

 

Fünf emissionsintensive Industriezweige haben die Banken dabei besonders im Blick: Transport, Öl und Gas, Chemie, Bergbau sowie Versorgungsunternehmen. Gerade bei der Energiegewinnung dringen die Banken auf Veränderungen: Die Deutsche Bank hat sich verpflichtet, bereits bis Ende 2025 aus der Finanzierung des Steinkohlebergbaus auszusteigen. Die Commerzbank finanziert bereits seit 2016 weltweit keine neuen Kohlekraftwerke und -minen mehr. Die aktuelle Richtlinie wird zurzeit überarbeitet und um die Bereiche Öl und Gas erweitert und soll am 1. Januar 2022 in Kraft treten.

 

Nicht nur künftige Anlagen und Kredite, auch die bestehenden werden in puncto Nachhaltigkeit unter die Lupe genommen und gegebenenfalls neu bewertet sowie neu ausgerichtet. So haben sich in der Net Zero Banking Alliance acht deutsche Banken verpflichtet, ihre Portfolios klimaneutral und im Einklang mit den Pariser Klimazielen zu gestalten. Aus dem Bereich der privaten Banken sind hier die Deutsche Bank, die Commerzbank, die HypoVereinsbank, die ING sowie die BNP Paribas dabei.

 

Die Banken entwickeln unter anderem gemeinsam Messgrößen (KPI = Key Performance Indicators), um Paris-kompatible Bank-Portfolios zu gestalten; sie definieren Mindestanforderungen, um die Ziele zu erreichen und legen Reporting-Rahmen fest. Alles, um den Fortschritt beim Klimaschutz transparent, greif- und messbar zu machen; und ihre Kunden beim Weg in eine klimafreundlichere Wirtschaft zu begleiten. Die Banken könnten zwar einfach ihre Bilanzen auf einen Schlag sehr viel „grüner“ gestalten, wenn sie die „schmutzigsten“ Teile ihres Portfolios verkaufen – allerdings hätten sie dann auch keinerlei Beitrag im Kampf gegen die Erderwärmung geleistet. Die Banken wollen und müssen den Wandel gestalten.

Banken werden grüner – in allen Bereichen und auf allen Ebenen.
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Das Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel ist nicht nur eines von vielen neuen Themen; es ist das Thema, das alle Bereiche einer Bank betrifft und perspektivisch von nahezu allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verinnerlicht und verstanden werden muss. Viele Banken machen ihre Belegschaft daher fit für das Thema Sustainable Finance – insbesondere mit Blick auf den Klimaschutz. Damit können sie ihre Kunden sachgerecht und zielgenau beraten.

 

Die Deutsche Bank beispielsweise will erreichen, dass bis zum Jahresende 2021 50 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Kundenkontakt stehen, die Möglichkeit einer Schulung zur bankeigenen Taxonomie für nachhaltige Finanzierungen und Anlagen erhalten. Die HypoVereinsbank setzt auf ein gruppenweit tätiges Sustainable Finance Advisory Team, das Nachhaltigkeits- und Kapitalmarktexpertise miteinander kombiniert und so den Kundendialog zu ESG-bezogenen Themen weiter vertiefen kann. Darüber hinaus hat sie gemeinsam mit der European Business School (EBS)-Universität rund 250 Nachhaltigkeitsexpertinnen – und experten in der gesamten Bank etabliert, um Unternehmen und Privatpersonen beim Thema Nachhaltigkeit bestmöglich beraten zu können. Die Commerzbank erarbeitet gerade ein mehrstufiges Schulungskonzept für die gesamte Bank, das ab dem 1. Quartal 2022 umgesetzt werden soll.  Alle Mitarbeitenden haben dann die Möglichkeit, ihr Nachhaltigkeitswissen auf- und auszubauen. Ziel ist es, in der gesamten Bank das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu stärken und zu schärfen. Im Bereich Beratung wird Fach- und Spezialwissen insbesondere zu neuen Produkten und zur Regulatorik vermittelt.

 

Doch es geht nicht nur um die Fort- und Weiterbildung. Banken haben frühzeitig damit begonnen, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten und ihren Beitrag auf das Klima über die gesetzlichen Anforderungen hinaus offenzulegen. Und sie haben sich ehrgeizige Ziele zur Klimaneutralität gesetzt: Die Commerzbank etwa will bis 2040 den CO2-Ausstoß ihres eigenen Bankbetriebs auf netto Null stellen, inklusive eines klimaneutralen Lieferantenportfolios. Außerdem strebt die Bank im Vergleich zu 2018 an, ihre Treibhausgasemissionen bis 2025 noch einmal um 30 Prozent zu senken. In den Jahren davor wurden die Emissionen bereits um mehr als 70 Prozent reduziert. Klimaneutral ist die Commerzbank schon seit 2015 und die von ihr in Deutschland genutzten Gebäude werden bereits seit Januar 2013 ausschließlich mit Öko-Strom versorgt. Die Deutsche Bank plant, ihren Strom bis 2025 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen der Dienstwagenflotte auf null sinken. Die HypoVereinsbank bzw. Unicredit hat den eigenen CO2-Verbrauch gruppenweit seit 2008 bereits um 60 Prozent reduziert – bis 2030 ist eine Reduktion um 80 Prozent geplant.

Wandel braucht Finanzierung
Wandel braucht Finanzierung
Der Klimawandel birgt erhebliche Risiken – aber Banken sind erfahrene Risiko-Manager
Der Klimawandel birgt eine Reihe von Risiken für die Wirtschaft: extreme Wetterlagen, Naturkatastrophen, Wasserknappheit, vor allem aber wegbrechende Geschäftsmodelle von Unternehmen, denen die Transformation in Richtung Klimaneutralität nicht oder nicht schnell genug gelingt. Das betrifft die Banken als Kreditgeber der Wirtschaft unmittelbar; der Klimawandel und die damit verbundenen Folgen sind ein wesentlicher Risikotreiber für viele Institute.

Doch zu den zentralen Kompetenzen von Banken zählen die Bewertung und die Steuerung von Risiken. Banken sind es gewohnt, Ausfallwahrscheinlichkeiten zu berechnen, unterschiedliche Szenarien durchzuspielen, Risiken zu identifizieren, Kredite abzusichern. Sie sind erfahrene Risiko-Manager und stellen sich jetzt der Herausforderung, auch die Risiken des Klimawandels zu steuern. Die Integration dieser eher mittel- oder langfristigen und mit großer Unsicherheit behafteten Risiken in das Risikomanagement ist anspruchsvoll; mit der Aufgabe, den Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und der Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten zu beschreiben, betreten Banken und Regulierer Neuland.

 

Einzelne Banken haben das Risiko Management bereits verändert, so hat etwa die HypoVereinsbank die Position eines „Chief Sustainable Finance Officer“ für den Bereich Risikomanagement geschaffen. Die Commerzbank ist seit September 2020 Mitglied der Science Based Target Initiative (SBTI) und setzt sich für wissenschaftsbasierte Reduktion von CO2 in ihrem Kreditportfolio ein. Verschiedene Institute, darunter Deutsche Bank, Commerzbank und ING, haben sich im Rahmen der Net Zero Banking Alliance Germany dazu verpflichtet, bis spätestens Ende 2022 gegenseitig akzeptierte Methoden zu entwickeln und einzuführen, mit denen die Klimaauswirkungen ihrer jeweiligen Kredit- und Investmentbestände gemessen werden können. Auf diese Weise bekommen die Banken auch das notwendige Instrumentarium in die Hand, ihren Kunden Wege in die klimaneutrale Zukunft aufzuzeigen.
Der Klimawandel birgt eine Reihe von Risiken für die Wirtschaft: extreme Wetterlagen, Naturkatastrophen, Wasserknappheit, vor allem aber wegbrechende Geschäftsmodelle von Unternehmen, denen die Transformation in Richtung Klimaneutralität nicht oder nicht schnell genug gelingt. Das betrifft die Banken als Kreditgeber der Wirtschaft unmittelbar; der Klimawandel und die damit verbundenen Folgen sind ein wesentlicher Risikotreiber für viele Institute.

Doch zu den zentralen Kompetenzen von Banken zählen die Bewertung und die Steuerung von Risiken. Banken sind es gewohnt, Ausfallwahrscheinlichkeiten zu berechnen, unterschiedliche Szenarien durchzuspielen, Risiken zu identifizieren, Kredite abzusichern. Sie sind erfahrene Risiko-Manager und stellen sich jetzt der Herausforderung, auch die Risiken des Klimawandels zu steuern. Die Integration dieser eher mittel- oder langfristigen und mit großer Unsicherheit behafteten Risiken in das Risikomanagement ist anspruchsvoll; mit der Aufgabe, den Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und der Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten zu beschreiben, betreten Banken und Regulierer Neuland.

 

Einzelne Banken haben das Risiko Management bereits verändert, so hat etwa die HypoVereinsbank die Position eines „Chief Sustainable Finance Officer“ für den Bereich Risikomanagement geschaffen. Die Commerzbank ist seit September 2020 Mitglied der Science Based Target Initiative (SBTI) und setzt sich für wissenschaftsbasierte Reduktion von CO2 in ihrem Kreditportfolio ein. Verschiedene Institute, darunter Deutsche Bank, Commerzbank und ING, haben sich im Rahmen der Net Zero Banking Alliance Germany dazu verpflichtet, bis spätestens Ende 2022 gegenseitig akzeptierte Methoden zu entwickeln und einzuführen, mit denen die Klimaauswirkungen ihrer jeweiligen Kredit- und Investmentbestände gemessen werden können. Auf diese Weise bekommen die Banken auch das notwendige Instrumentarium in die Hand, ihren Kunden Wege in die klimaneutrale Zukunft aufzuzeigen.
Kleine wie große Unternehmen müssen sich der Transformation in Richtung CO2-neutraler Wirtschaft stellen. Sie müssen ihre Klimarisiken erkennen, ihre Geschäftsmodell hinterfragen, sich auf Wandel und Investitionen vorbereiten.

Banken sind ein wichtiger Partner in diesem Prozess; sie unterstützen die Unternehmen dabei, Risiken und Chancen des Klimawandels zu analysieren und auszuwerten. Wie wirkt sich der Klimawandel auf die unterschiedlichen Branchen aus? Wo sind Strukturbrüche zu erwarten und Änderungsprozesse unvermeidlich? Wie können Firmen zu Pionieren klimaverträglichen Wirtschaftens werden?

Auch Banken können nicht die Zukunft vorhersagen. Aber die Institute kennen ihre Unternehmen, sie kennen die Märkte – und sie sind es gewohnt, einen ganzheitlichen Blick auf unterschiedliche Szenarien zu werfen. Um auch Klimaszenarien bewerten zu können, brauchen die Banken aber nicht nur Modelle, mit denen sie die Klimaverwundbarkeit von Unternehmen und ihrer Geschäftsmodelle ermitteln können. Sie brauchen zunächst vor allem eines: Daten – zum Beispiel zum Ausstoß von Treibhausgasemissionen der Unternehmen. Diese Daten sind noch immer nicht in ausreichender Menge vorhanden.

Doch Banken und ihre Unternehmenskunden sorgen dafür, dass die Datenlage besser wird – die Deutsche Bank etwa hat zugesagt, bis Ende 2022 den CO2-Fußabdruck ihres Kreditportfolios von rund 440 Milliarden Euro bestimmen zu können. Banken können so zu Schaltzentralen werden, in denen Klimamodelle, Emissionsprognosen und Umstrukturierungswege im Sinne des Klimaschutzes zusammengeführt werden. Die Commerzbank wird gemäß SBTI CO2-Intensitäten und Abbauziele für ihre Teilportfolios ermitteln. SBTI wird die zentrale Steuerungsgröße der Commerzbank in Richtung Net Zero sein.

Insgesamt haben Nachhaltigkeit und Klimaschutz den Beratungsbedarf der Unternehmenskunden enorm gesteigert. Viele Institute richten sich gerade neu aus, um diesem Beratungsbedarf gerecht zu werden, und schaffen neue Angebote für ihre Firmenkunden. So hat die HypoVereinsbank mit dem ESG-Branchenbarometer als erste Bank in Deutschland, gemeinsam mit der Ratingagentur ISS-ESG, ein umfassendes Beratungstool in Sachen ESG (übersetzt: Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) eingeführt. Es ermöglicht insbesondere mittelständischen Firmen, ihr Unternehmen in Bezug auf die ESG-Kriterien einzuordnen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, um zukünftig nachhaltiger agieren zu können.

Dass das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Wirtschaft angekommen ist und sich auch und gerade Mittelständler darauf vorbereiten, zeigt die Commerzbank in ihrer Studie „UnternehmerPerspektiven“ vom April 2020: Unter 2.000 befragten mittelständischen Unternehmen bewerten 82 Prozent das Thema Nachhaltigkeit als entscheidend für die eigene Zukunftsfähigkeit.
Banken als Schaltzentralen für den Klimaschutz: Sie bewerten, berechnen, unterstützen – und sind Partner für den grünen Wandel
Kleine wie große Unternehmen müssen sich der Transformation in Richtung CO2-neutraler Wirtschaft stellen. Sie müssen ihre Klimarisiken erkennen, ihre Geschäftsmodell hinterfragen, sich auf Wandel und Investitionen vorbereiten.

Banken sind ein wichtiger Partner in diesem Prozess; sie unterstützen die Unternehmen dabei, Risiken und Chancen des Klimawandels zu analysieren und auszuwerten. Wie wirkt sich der Klimawandel auf die unterschiedlichen Branchen aus? Wo sind Strukturbrüche zu erwarten und Änderungsprozesse unvermeidlich? Wie können Firmen zu Pionieren klimaverträglichen Wirtschaftens werden?

Auch Banken können nicht die Zukunft vorhersagen. Aber die Institute kennen ihre Unternehmen, sie kennen die Märkte – und sie sind es gewohnt, einen ganzheitlichen Blick auf unterschiedliche Szenarien zu werfen. Um auch Klimaszenarien bewerten zu können, brauchen die Banken aber nicht nur Modelle, mit denen sie die Klimaverwundbarkeit von Unternehmen und ihrer Geschäftsmodelle ermitteln können. Sie brauchen zunächst vor allem eines: Daten – zum Beispiel zum Ausstoß von Treibhausgasemissionen der Unternehmen. Diese Daten sind noch immer nicht in ausreichender Menge vorhanden.

Doch Banken und ihre Unternehmenskunden sorgen dafür, dass die Datenlage besser wird – die Deutsche Bank etwa hat zugesagt, bis Ende 2022 den CO2-Fußabdruck ihres Kreditportfolios von rund 440 Milliarden Euro bestimmen zu können. Banken können so zu Schaltzentralen werden, in denen Klimamodelle, Emissionsprognosen und Umstrukturierungswege im Sinne des Klimaschutzes zusammengeführt werden. Die Commerzbank wird gemäß SBTI CO2-Intensitäten und Abbauziele für ihre Teilportfolios ermitteln. SBTI wird die zentrale Steuerungsgröße der Commerzbank in Richtung Net Zero sein.

Insgesamt haben Nachhaltigkeit und Klimaschutz den Beratungsbedarf der Unternehmenskunden enorm gesteigert. Viele Institute richten sich gerade neu aus, um diesem Beratungsbedarf gerecht zu werden, und schaffen neue Angebote für ihre Firmenkunden. So hat die HypoVereinsbank mit dem ESG-Branchenbarometer als erste Bank in Deutschland, gemeinsam mit der Ratingagentur ISS-ESG, ein umfassendes Beratungstool in Sachen ESG (übersetzt: Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) eingeführt. Es ermöglicht insbesondere mittelständischen Firmen, ihr Unternehmen in Bezug auf die ESG-Kriterien einzuordnen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, um zukünftig nachhaltiger agieren zu können.

Dass das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Wirtschaft angekommen ist und sich auch und gerade Mittelständler darauf vorbereiten, zeigt die Commerzbank in ihrer Studie „UnternehmerPerspektiven“ vom April 2020: Unter 2.000 befragten mittelständischen Unternehmen bewerten 82 Prozent das Thema Nachhaltigkeit als entscheidend für die eigene Zukunftsfähigkeit.
Grün finanzieren
Grün finanzieren
Der Klimawandel verändert das Bankgeschäft: Neue Kreditangebote für Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Um den notwendigen Wandel der Wirtschaft zu finanzieren, müssen Banken möglichst passgenaue Produkte zur Verfügung stellen. Schon heute bieten private Banken Unternehmen eine breite Produktpalette an, die von „grünen Krediten“ und nachhaltigen Darlehen (sogenannten Sustainability-linked Loans) über Green Bonds bis hin zu grünen Schuldscheinen reicht.

 

Ganz konkret werden (grüne) Kredite vergeben, mit denen Investitionen in Umweltschutz, Klimaschutz, Energieeinsparung und Energieeffizienz finanziert werden. So hat etwa die HypoVereinsbank einen ESG-gebundenen Kontokorrentkredit (also einen Dispokredit für Unternehmen) für mittelständische Firmen entwickelt. Dabei wird der Zins an das Nachhaltigkeitsrating des jeweiligen Unternehmens gekoppelt. Der Mechanismus geht in beide Richtungen: Verbessert sich das Rating, sinkt der Zins. Verschlechtert sich die Nachhaltigkeit, muss das Unternehmen mehr bezahlen. Gerade im Bereich Energieeffizienz nutzen Banken auch öffentliche Fördermittel, um Unternehmen die finanziellen Ressourcen für die notwendigen Investitionen zur Verfügung zu stellen und sie überhaupt erst zur Umsetzung nachhaltiger Projekte zu motivieren.

 

Die Herausforderungen sind groß, die Volumina der Finanzierungen auch: Allein die Deutsche Bank will bis 2025 nachhaltige Finanzierungen in Höhe von 200 Milliarden Euro realisieren. Das Ziel wurde 2020 festgelegt, über 70 Milliarden Euro sind bis einschließlich dem 1. Quartal 2021 schon geflossen.

 

Die Commerzbank will den CO2-Ausstoß ihres Kredit- und Investmentportfolios bis spätestens 2050 auf null senken. Das nachhaltige Geschäftsvolumen soll dafür bereits bis 2025 auf rund 300 Milliarden Euro verdreifacht werden – rund 200 Milliarden davon sollen aus dem Geschäft mit Unternehmen kommen.

 

Beide Institute sind seit der COP26 Mitglieder in der Net Zero Banking Alliance, die während der Klimakonferenz in Glasgow Anfang November 2021 ins Leben gerufen wurde. Die Mitglieder verpflichten sich dazu, die Emissionen aus ihrem Geschäftsbetrieb und aus ihren Portfolios bis spätestens 2050 auf netto Null zu senken. Die Net Zero Banking Alliance wurde von der Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen als Teil der „Glasgow FinancialAlliance for Net Zero“ (GFANZ) angestoßen. Ziel der GFANZ ist, die notwendigen Billionen von Euro für den Aufbau einer emissionsneutralen Wirtschaft auf der ganzen Welt aufzubringen, damit die Ziele des Pariser Abkommens erreicht werden.

Grünes Bauen immer wichtiger: Banken finanzieren Klimaschutz im Gebäudesektor

Ungefähr 30 Prozent der Treibhausgasemissionen hierzulande verursacht der Gebäudesektor. Kein Wunder, dass das Thema „Grüne Baufinanzierung“ für den Klimaschutz und damit auch für die Banken zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Rahmen der grünen Baufinanzierung prüfen die Institute den Energieverbrauch der von ihnen finanzierten Bauprojekte, bewerten die Baumaterialen sowie die Emissionen während der Bauphase und des Betriebs. Damit sich Investitionen in mehr Energieeffizienz noch schneller rechnen, bieten einige Banken vergünstigte Finanzierungskonditionen für den Bau oder Erwerb von Immobilien mit geringem Energieverbrauch. Häufig können staatliche Fördermittel mit den grünen Baugeldangeboten kombiniert werden. Auf diese Weise lässt sich meist ein besonders günstiges Finanzierungspaket schnüren.

 

Energieeffiziente Bau- und Sanierungsvorhaben werden beispielsweise von der Commerzbank mittels „grüner Baufinanzierung“ unterstützt. Hier erhält der Kunde unter anderem einen zusätzlichen Zinsrabatt für energieeffizientes Bauen. In der gewerblichen Immobilienfinanzierung hat die HypoVereinsbank den neuen „Real Estate Green Loan“ eingeführt, bei dem die Kreditvergabe an bestimmte Objektkriterien zur Energieeinsparung geknüpft wird.

 

Die Aareal Bank als Spezialinstitut für großvolumige gewerbliche Immobilienfinanzierungen achtet gerade bei bereits fertig gestellten Gebäuden mit mittleren bis langfristigen Kreditlaufzeiten auf die Werthaltigkeit der Objekte; dabei spielt Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. Im Juni 2021 hat sie ein Green Finance Framework aufgelegt, das qualitative und quantitative Kriterien für grüne Gebäude sowie für energetische Sanierungen definiert. Inzwischen wurden die ersten grünen Kredite im Rahmen dieses Green Finance Framework vergeben. Die Kunden – in der Regel institutionelle Investoren – müssen Nachweise erbringen, dass die Kriterien des Financial Framework über die gesamte Kreditlaufzeit erfüllt sind.

Green Bonds gegen die Klimakrise: Banken bauen Brücken zum grünen Kapitalmarkt

Es ist unbestritten: Klimaneutralität wird viel Geld kosten, das nicht ausschließlich über Bankkredite aufgebracht werden kann. Gerade für größere Unternehmen, die nachhaltig investieren wollen, ist der Kapitalmarkt eine wichtige Anlaufstation. Hier können sie Green Bonds begeben – Anleihen also, mit deren Emissionserlöse nachhaltige bzw. klimaverträgliche Projekte finanziert werden. Darunter fallen zum Beispiel Projekte im Bereich erneuerbare Energie, Energieeffizienz oder Elektromobilität.

 

Die weltweiten Emissionen grüner, sozialer, nachhaltiger und ESG-gebundener Anleihen (Sustainability Linked Bonds) haben sich in den ersten acht Monaten des Jahres auf insgesamt 559 Milliarden US-Dollar belaufen und übertrafen damit bereits das Gesamtvolumen an ausgegebenen ESG-Anleihen im Jahr 2020. Der größte Teil des neuen ESG-Anleiheangebots entfiel dabei auf die Emission grüner Anleihen, die sich in den ersten acht Monaten des Jahres auf 244 Milliarden US-Dollar belief, verglichen mit 144 Milliarden US-Dollar im gleichen Zeitraum 2020.

 

Doch welche Rolle spielen die Banken dabei? Banken sind Vermittler zwischen Anlegern und Kapitalsuchenden und tragen so maßgeblich dazu bei, dass Kapital in den Klimaschutz fließt. Doch schon zuvor, bei der Emission der Green Bonds, spielen sie eine wichtige Rolle und bauen auf diese Weise Brücken zum grünen Kapitalmarkt. Sie unterstützen die ausgebenden Unternehmen dabei, die Anleihen zu gestalten, und platzieren die Green Bonds am internationalen Kapitalmarkt. So sorgen sie dafür, dass Milliarden von Euro für den Klimaschutz mobilisiert werden können.

 

Banken geben auch eigene Green Bonds und grüne Pfandbriefe heraus, mit deren Erlös sie beispielsweise Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien refinanzieren. Die Commerzbank hat im Oktober 2018 ihren ersten eigenen Green Bond an den Kapitalmarkt gebracht, im September 2020 folgte der zweite. Beide Green Bonds – jeweils mit einem Volumen von 500 Millionen Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren – stießen auf großes Interesse von Investoren. Mit dem Erlös refinanziert die Bank Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien für Onshore- und Offshore-Windprojekte und Solarprojekte in Deutschland, weiteren europäischen Ländern sowie Nord- und Südamerika.

 

Die HypoVereinsbank hat im September 2021 ihren ersten Grünen Pfandbrief über 500 Millionen Euro herausgebracht. Der Pfandbrief hat eine Laufzeit von fünf Jahren wird mit Immobilienhypotheken aus dem Pool der Bank besichert. Die darin enthaltenen Gebäude sind besonders energieeffizient und haben einen geringeren CO2-Ausstoß. Es gab fünf Mal mehr Bestellung für den Pfandbrief als möglich waren. Die Mittel aus dem Grünen Pfandbrief sind für die Finanzierung grüner Gebäude vorgesehen, die im Hypothekenpool der HypoVereinsbank registriert sind. Die Bank wird weiter kontinuierlich geeignete Vermögenswerte in ihrem Pool identifizieren und neue grüne Projekte anstoßen.

 

Viele internationale Banken, darunter die Commerzbank und die HypoVereinsbank, sind Partner der „Climate Bonds Initiative“. Die gemeinnützige Initiative, an der sich weltweit mehr als 100 Partner aus dem Finanzdienstleistungsbereich beteiligen, engagiert sich, um den Markt für Green und Climate Bonds zu fördern und weiterzuentwickeln. Sie berät Regierungen, bietet Marktdaten und Analysen und verwaltet ein internationales Standard- und Zertifizierungssystem für Best Practices bei der Emission grüner Anleihen. Climate Bonds sind ein Teilbereich der Green Bonds. Um einen Climate Bond nach den Definitionen der „Climate Bonds Initiative“ begeben zu können, muss nachgewiesen werden, dass mit dem Erlös klimaschädliche CO2-Emissionen reduziert oder die Klimaresistenz der Wirtschaft erhöht wird.

Grüne Geldanlage – Investitionen für mehr Klimaschutz im Kleinen wie im Großen

Das Thema „Verantwortung, Nachhaltigkeit, Klimaschutz“ ist bei den Kapitalanlegern angekommen – und zwar bei institutionellen Investoren und gleichermaßen bei privaten Anlegerinnen und Anlegern. So hat sich in Deutschland das Volumen der in nachhaltige Anlagen investierten Gelder in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht: 2016 waren ca. 80 Milliarden Euro „grün“ investiert, 2020 lag die Summe bereits bei einer viertel Billion Euro (250 Milliarden Euro) – allein im letzten Jahr gab es ein sattes Plus von 35 Prozent.

 

Diese Entwicklung wird aus zwei Richtungen getrieben: Zum einen wollen und müssen immer mehr institutionelle Investoren nachhaltig und gemäß den ESG-Vorgaben der EU ihre Gelder anlegen. Zum anderen wenden sich immer mehr private Anlegerinnen und Anleger an ihre Bank mit dem Wunsch, ihr Geld nachhaltig arbeiten zu lassen. Sie sind dann auch Treiber des Wachstums. Die Privatinvestitionen in nachhaltige Fonds verzeichneten 2020 ein Wachstum von 117 Prozent.

 

Deutschland zählt bereits heute neben Frankreich, Schweden, den Niederlanden, der Schweiz, England und Norwegen nach Angaben des Verbandes der Investmentfondsgesellschaften BVI zu den stärker entwickelten Absatzmärkten für nachhaltige Fonds in Europa. Die genannten Länder machen knapp 90 Prozent des nachhaltigen Fondsmarktes in Europa aus.

 

Bei nachhaltigen Geldanlagen werden neben den klassischen quantitativen Anlagekriterien (Rendite, Risiko und Liquidität) auch ökologische und soziale Kriterien, z.B. die Einhaltung von Menschenrechten, Diversität oder das Verbot von Kinderarbeit, berücksichtigt.

 

Für viele Kunden sind vor allem nachhaltige Fonds interessant. Darunter sind auch solche, die schwerpunktmäßig in Unternehmen aus den Bereichen Umwelttechnik und alternative Energien investieren. Auch ein direktes Investment in Aktien und Anleihen von „grünen“ Unternehmen etwa aus den Bereichen Solar- und Windenergie sind Anlagemöglichkeiten für Kunden, die in den Bereich Klimaschutz investieren möchten.

 

Banken sind hier erste Ansprechpartner. Über sie fließt das Geld in grüne Fonds und grüne Anleihen. Im Jahr 2020 stieg die Zahl nachhaltiger Publikumsfonds auf 350, das waren fast doppelt so viele, wie im Vorjahr.

 

Zwei Beispiele dazu aus der HypoVereinsbank: Sie hat im vergangenen Jahr eine neue Fonds-Vermögensverwaltung „HVB Premium Invest“ eingeführt, bei dem schon kurz nach dem Marktstart über 60 Prozent der Anlegergelder in Nachhaltigkeitsthemen investiert waren. Und bei den Sparplänen ist die durchschnittliche Sparquote mit nachhaltigen Fonds wesentlich höher (im Schnitt über 350 Euro) als bei anderen Fonds.

 

Bei der Commerzbank ist das Volumen der Nachhaltigkeits-Vermögensverwaltung im vergangenen Jahr bundesweit um 60 Prozent auf fast einen halbe Milliarde Euro gewachsen – exakt 425 Millionen Euro. Seit November 2020 können Privatanleger mit dem „Impactfonds KlimaVest“ der Commerz Real erstmals auch direkt in nachhaltige Großprojekte zur Energieerzeugung oder Mobilität investieren. Anleger haben seitdem bereits über 500 Millionen Euro in den „KlimaVest“ investiert. Die Tendenz: deutlich steigend.

Klimaschutz geht nur mit den Banken
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